Interview mit dem Existenzgründer Dr. Markus Bartram Mitarbeiter direkt vom Institutsflur

Innerhalb von drei Jahren habe ich aus einer Diplomarbeitsidee eine Firma mit zehn Stellen und einem gut funktionierenden Geschäftskonzept geschaffen. Dies habe ich nicht zuletzt den guten Rahmenbedingungen für Existenzgründer in Aachen zu verdanken.

Dr. Markus Bartram

  • RWTH-Absolvent
  • Geschäftsführer der PicoLAS GmbH

An die RWTH bin ich zum Studium der Elektrotechnik gekommen, da die Hochschule einen sehr guten Ruf hat. In der Einführungswoche gab es eine Stadtrallye, bei der ich Aachen kennen lernen konnte. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Im Laufe meines Studiums entwickelte ich ein System zur industriellen Beschriftung mithilfe von Diodenlasern (z. B. von Flaschenetiketten) und schrieb 1998 darüber meine Diplomarbeit. Der technische Fortschritt in der Industrie war jedoch noch nicht soweit, dass dieses Verfahren großflächig genutzt werden konnte.

Plötzlich ging alles schnell

Als ich dann fünf Jahre später über Windkraftanlagen promovierte, kamen die ersten Anfragen von Unternehmen. Mit Zustimmung der beiden beteiligten Institute durfte ich meine Forschung zum Laserverfahren neben meiner Promotion weiter betreiben. Wäre ich zu Beginn meines Studiums gefragt worden, ob ich mich später selbstständig machen möchte, hätte ich entschieden verneint. Ich komme aus einer Beamtenfamilie, da ist die Risikofreudigkeit nicht so groß.

Meine Aachen Highlights

  • Urige Aachener Kneipen, wie das Guiness-House und Kings College
  • Der Marktplatz – was hier los ist, ist untypisch viel
  • Ein Bummel mit der Familie über den Weihnachtsmarkt

Doch mit meiner Idee, deren Marktfähigkeit mir bestätigt wurde, lag der Gedanke der Existenzgründung nahe. Fasziniert haben mich die vielen Messing-Schilder der spin-offs am Institut. Die Anfragen der Unternehmen bestätigten mich in meinem Vorhaben. Durch Professor Brettel vom Lehrstuhl WIN wurde ich auf das Kompaktseminar für Existenzgründer des Gründerkollegs der RWTH aufmerksam. Ich bewarb mich mit einer Projektskizze meiner Geschäftsidee und wurde aufgenommen. Dort lernte ich die umfangreichen Fördermöglichkeiten der IHK, der RWTH, aber auch des Landes und Bundes kennen. Dann ging alles recht schnell.

Es folgten Bewerbungen bei Verbundprojekten, Präsentationen meiner Entwicklung auf Messen und Teilnahmen an Business-Plan-Wettbewerben. Unterstützt von der IHK und dem Gründerkolleg fühlte ich mich bereit, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Sie machten mich auf eine Fördermöglichkeit des Landes aufmerksam, mit der mir für zwei Jahre meine Tätigkeit als Geschäftsführer als halbe Stelle mit Assistentengehalt finanziert wurde. Die größten Existenz-Ängste waren damit überwunden. Nach Abgabe meiner Doktorarbeit habe ich im Jahr 2005 meine Firma – die PicoLAS GmbH – gegründet. Eigene Ersparnisse hatte ich keine. Die GmbH-Einlage von damals 25.000 Euro wurde durch Familie und Freunde vorgestreckt. Durch die Beteiligung der Gründer-Start-Initiative (GSI) und – später – des High-Tech-Gründerfonds des Bundes konnte meine Firma mit angemessenem Startkapital die High-Tech-Entwicklungen angehen.

Gute Unterstützung für gute Ideen

Dank erfolgreicher Verbundprojekte mit zum Teil sehr renommierten Partnern konnte ich bereits das erste Geschäftsjahr mit Gewinn abschließen und hatte mir einen festen Kundenstamm aufgebaut. Meine Mitarbeiter habe ich oft direkt vom Institutsflur aus eingestellt. Eine ganz neue Erfahrung für mich war, dass ich nicht länger ausschließlich Ingenieur, sondern auch Manager und Chef war. Für all die Themen, die ich als Ingenieur nie gelernt hatte, vermittelte mir die IHK einen Mentor, der mir z.B. in den Fragen der Mitarbeiterführung, des Vertragsrechtes, der Kundenberatung und allen anderen fachfernen Themen hilfreich zur Seite steht.

Meine Bilanz nach drei Jahren Selbstständigkeit ist eine durchweg positive. Gab es bisher 10 Fertigungen pro Woche, so liegen wir aktuell bei 20 pro Tag. Gerade erst habe ich neue Mitarbeiter eingestellt und wir werden schon bald in ein größeres Gebäude umziehen. In Aachen gibt es eine ausreichende Finanzierung und viele Hilfen für gute Gründungen. Das Risiko, das eingesetzt werden muss, ist sehr gering. Wer eine gute Idee hat und auch nach der Selbstständigkeit hart weiter arbeitet, wird Erfolg haben. Heute könnte ich mir nicht mehr vorstellen, angestellt zu sein.

Meine Tipps für Existenzgründer

  • Auch wenn man gegründet hat, muss man weiter arbeiten
  • Relativ früh Verantwortungsbereiche festlegen, Managementstrukturen schaffen
  • Traut Euch, das Risiko ist nicht höher, als wenn man einmal im Job scheitert und den Umzug finanzieren muss.
  • Das, was man nicht als Gründer weiß, kann man sich dazu kaufen. Aber das, was nur ich weiß, können die anderen nicht kaufen.
  • Kauft externe Leistungen ein (z. B. Steuerberater), dann ist Buchführung so einfach, wie das Einscannen von Belegen
  • Bei der IHK sitzen Menschen, die einem wirklich weiterhelfen

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