Interview mit der afrikanischen Ingenieurin Huguette Mawa Ich liebe den Wochenmarkt

Ich wohne sehr gerne im Frankenberger Viertel in Aachen. Doch bis ich hier angekommen bin, habe ich eine lange Reise hinter mich gebracht – im wörtlichen und übertragenen Sinn.

Huguette Mawa

  • geboren in Yaoundé/ Kamerun, 1,3 Millionen Einwohner
  • Absolventin der FH Aachen
  • Elektroingenieurin bei der Stadt Aachen

Nach meinem Abitur in Kamerun wollte ich unbedingt Elektrotechnik studieren. Die besten Berufsaussichten bot ein Studium im Ausland. Also habe ich am Goethe Institut Deutsch gelernt und viele Bewerbungen an deutsche Universitäten geschickt. Nach zwei Jahren des Wartens hielt ich es 1998 dann endlich in den Händen – mein Visum für Leipzig.

Zuvor war ich noch nie im Ausland gewesen. Als ich in Deutschland zum ersten Mal an einen Universitätsparkplatz kam, glaubte ich zuerst, es wäre ein Autohaus. Ich hätte nie gedacht, dass sich Studenten so neue Wagen leisten können. Und auch sonst war hier einiges anders: Die Menschen sind viel ruhiger und zurückhaltender als bei uns in Afrika.

In Leipzig habe ich meine Sprachkenntnisse verbessert und bin dann zum Studium nach Dresden gewechselt. Obwohl ich in den Semesterferien im ganzen Bundesgebiet gejobbt habe, reichte das Geld einfach nicht zum Überleben. Ich habe mich dann entschieden, nach Westdeutschland zu wechseln, weil es hier viel bessere Arbeitsaussichten gibt. Aufgenommen hat mich schließlich die FH in Aachen. Von der Stadt habe ich vor lauter Lernen erst nicht viel gesehen. Was mir spontan aufgefallen ist, war die Begeisterung von allen Aachenern – egal ob Männer, Frauen oder Kinder – für die Alemannia. In einem meiner zahllosen Jobs habe ich die bekannten Aachener Süßigkeiten – die Printen – selbst verpackt und im berühmtesten Aachener Hotel habe ich auch gearbeitet.

Meine Aachen Highlights:

  • Der Aachener Markt im Sommer
  • Der Blick über die Stadt vom Lousberg
  • Der Wochenmarkt im Frankenberger Viertel

Nach Erhalt meines Diploms war es aufgrund der damaligen gesetzlichen Bestimmungen wirklich schwierig, eine Anstellung zu bekommen. Beim Gebäudemanagement der Stadt Aachen hatte ich schon während des Studiums mit sehr viel Freude gejobbt. Als ich nach vielen erfolglosen Bewerbungen erst einen Honorarvertrag und dann eine zeitlich befristete Anstellung erhielt, war ich überglücklich.

Ich erlebe die Stadt intensiver

Heute erlebe ich die Stadt viel intensiver als noch zu Zeiten des Studiums: Ich liebe es, über den Markt zu flanieren oder auf dem Wochenmarkt einkaufen zu gehen. Und oft erkenne ich an mir schon typisch deutsche Eigenschaften wie Kaffee trinken, spazieren gehen, die Ruhe genießen und Pünktlichkeit schätzen. Aber genauso bin ich noch in meinem Heimatland verwurzelt, ich lache gerne oft und viel und liebe es, mich afrikanisch zu kleiden und für Freunde afrikanisch zu kochen – zum Glück gibt es in Aachen einige afrikanische Lebensmittelgeschäfte.

Wenn ich zurückschaue, bereue ich meinen Schritt vor mehr als 10 Jahren nicht. Bei allen Problemen, die es auf meinem Weg gab, standen mir oft Menschen zur Seite, die mir geholfen haben. Heute fühle ich mich in „meinem“ Frankenberger Viertel, in dem die Menschen so locker und anders sind, richtig wohl. Und manchmal ertappe ich mich sogar dabei, wie ich die Alemannia-Ergebnisse im Videotext suche – dabei interessiere ich mich doch gar nicht für Fußball.

Arbeitsaufnahme nach dem Studium?

  • Personen aus dem europäischen Wirtschaftsraum, ausgenommen der neu beigetretenen ost-europäischen Staaten: Die Arbeitsaufnahme ist ohne Einschränkung in Deutschland möglich.
  • EU-Ausländer der neu beigetretenen ost-europäischen Staaten: Bei der Agentur für Arbeit kann eine Arbeitserlaubnis beantragt werden. Nach fünf Jahren rechtmäßigen Aufenthaltes in Deutschland kann auf Antrag eine Daueraufenthaltskarte und damit eine Arbeitsgenehmigung ohne Einschränkung erteilt werden.
  • Sonstige Drittstaatler: Zum Zweck der Arbeitssuche dürfen sich Drittstaatler nach Bestehen der Abschlussprüfung bis zu einem Jahr weiter in Deutschland aufhalten. Voraussetzung: Die Finanzierung des Aufenthaltes muss durch Dritte gesichert sein. Während dieser Zeit dürfen 180 halbe oder 90 volle Tage gearbeitet werden. Sobald ein Arbeitsangebot vorliegt, wird durch die Agentur für Arbeit und die Ausländerabteilung geprüft, ob diesem im konkreten Fall zugestimmt werden kann (ist die Bezahlung angemessen und handelt es sich um eine Beschäftigung im erlernten Fachgebiet?). Nach drei Jahren Beschäftigung kann dann eine vom Arbeitgeber unabhängige Arbeitsgenehmigung erteilt werden.
  • Zu allen Fragen des Aufenthaltsrechtes berät Sie gerne die Geschäftsstelle des Ausländeramtes im Super C (Link s. u.).

Lust auf mehr

Weblinks

AusländeramtGeschäftsstelle für Studierende und Hochschulangehörige im Super C