Karneval in Aachen Schunkelnde Lebenslust
Einmal im Jahr steht Aachen Kopf. Denn es ist Karneval. Ein Volksfest mit bunten Verkleidungen, rauschenden Partys und ironischer Marschmusik.
Lennet Kann
- jährlich bei der Ordensverleihung wider den tierischen Ernst besungener Stadtstreicher
- das Stadtoriginal Leonhard Kann trug zahlreiche Schützen- und Karnevalsorden
- zum Dank für spendierte Getränke marschierte Lennet betrunken im Stechschritt
- Lennet war überregional Kult, so dass bereits zu Lebzeiten ein Lied auf ihn gedichtet wurde
- Leonhard Kann verstarb 1916
In Festzelten, Umzügen und in zahlreichen Bars der Stadt. Zum Auftakt der „närrischen Tage“ ist keine Krawatte vor der Schere sicher und der Oberbürgermeister tritt seine Herrschaft an die Feiernden ab. Denn an Karneval nimmt der Öcher immer wieder gerne Autoritäten auf den Arm. Und natürlich sich selbst.
Die Wurzeln der „fünften“ Jahreszeit sind lang. Der kalte Winter wird geschminkt und lärmend vertrieben, der Abschied vom Fleisch („Carne Vale“) vor der christlichen Fastenzeit gefeiert und die ehemaligen Besatzer mit Märschen, Perücken, Uniformen und Bajonetten parodiert.
Besonderheiten des Aachener Karnevals
Zwar gibt es Karneval im ganzen Rheinland, doch in Aachen ist alles ein wenig anders: Hier heißt der erste Karnevalstag nicht Altweiber, sondern “Fettdonnerstag”, das beliebte Fettgebäck nicht Berliner, sondern “Puffel”, die geworfene Ware nicht Bonbons, sondern „Klümpchen“ und hier wird nicht Karneval, sondern „Fastelovend“ gefeiert. Da wundert es nicht mehr, dass ein schlaksiger Landstreicher, genannt “Lennet Kann”, seit Jahrhunderten der angeblich „schönste Mann“ der Stadt ist. Der Aachener nimmt sich selbst eben nicht ganz so ernst. Und besingt dies fröhlich in vielen Karnevalsliedern. Gerne auch auf Platt und nicht ganz jugendfrei.
Doch abseits der Massen gibt es noch eine andere Version des Festes. Mit Mayonisität und Freifritte – statt Prinz und Hofstaat – fing es vor mehr als 15 Jahren an und hat heute Kultstatus erreicht. Der alternative Aachener Karneval, die Strunxsitzung. Hier ist alles ein wenig schriller, sarkastischer und lauter. In abenteuerlichen Kostümen, jenseits aller Konventionen und ohne „Ta-Ta-Tabus“ – wie die Strunxhymne beschwört.
Wer sich einmal tabulos und kostümiert durch den Aachener Karneval geschunkelt hat, der merkt: ob auf der Straße oder in der Sitzung, ob alternativ oder konventionell: „Vür sönd allemole Öcher Jonge“.
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