Interview mit der chilenischen Fagottistin Susan Jofré Pomareda Es war ein Kindheitstraum
Ich hatte einen Traum: Seit ich mit 13 Jahren begonnen habe, Fagott zu spielen, habe ich mir nichts mehr gewünscht als nach Deutschland zu reisen, dem Land des deutschen Fagott-Systems.
Susan Jofré Pomareda
- geboren in La Serena/ Chile
- Fagottistin
- Studentin an der Musikhochschule Aachen
Nachdem ich mein Musik-Diplom in Chile erhalten habe, folgte ich meinem Lehrer Oscar Bohorquez erst nach Österreich und dann 2003 an die Musikhochschule Aachen – meinem Traum immer ein bisschen näher.
Als ich nach Deutschland kam, hatte ich das Gefühl, wieder eine Anfängerin zu sein, so unterschiedlich ist das Niveau. Das Studium findet komplett auf Deutsch statt. Am Anfang hatte ich noch Verständigungsprobleme. Damals lebte ich alleine in einem Apartment, da war es schon schwierig, Kontakte zu knüpfen. Jetzt wohne ich seit drei Jahren im Studentenheim. Mein Wohnheim ist total toll, wir haben einen großen Garten, die Lage ist schön, die Stimmung ist hervorragend und man fühlt sich einfach nicht allein – ich bin dort sehr glücklich. Außerdem ist durch den Kontakt mit anderen Studenten mein Deutsch noch viel besser geworden. An der Musikhochschule gibt es sehr viele ausländische Studierende, vor allem Asiaten und Osteuropäer. Ich habe wirklich gute deutsche Bekannte, meine beste Freundin ist Koreanerin, ein guter Freund kommt aus Kamerun und Deutsch ist die Sprache, die uns verbindet.
Aachen ist eine sehr schöne Stadt. Die Aachener reden viel und sind sympathisch. Ich mag Aachen. Es ist, genau wie meine Heimatstadt, eine eher kleine Stadt. Ich kann hier alles zu Fuß erledigen und es ist erholsam. Große Städte sind mir einfach von allem zu viel und zu laut. Ich genieße es in der Pontstraße immer Leute zu treffen, mit meinen Freunden im Westpark zu sitzen und ich liebe St. Foillan. In dieser Kirche herrscht einfach eine ganz besondere Stimmung. Die Altstadt rund um Dom und Rathaus ist wunderschön. Es ist wirklich ein Traum hier zu sein.
Auch wenn ich mich auf Chile freue, werde ich Aachen vermissen
Bei meiner Auswahl an Konzerten bin ich als Musikerin sehr kritisch. Ich höre sehr gerne das Symphonieorchester Aachen und die Chöre. Bei der Nacht der offenen Kirchen habe ich sogar schon selbst gespielt. Und auch bei der Oper „Il mondo della luna“ des Theaters Aachen, der Orchesterakademie NRW und dem Osterfestival in Bayreuth habe ich gespielt – diese Erfahrungen mit Schauspielern und großer Bühne, hätte ich in Chile niemals machen können.
Dass Deutschland eine lange Kulturtradition hat, merke ich auch jedes Mal, wenn ich etwas für das Studium brauche: im Gegensatz zu Chile kann ich hier Originalmusik, Originalnoten und Werkzeuge für das Fagott kaufen und sogar das Instrument kann in Aachen repariert werden.
Nach meinem Studium werde ich nach Chile zurückkehren. Mit zwei deutschen Diplomen habe ich dort sehr gute Berufsaussichten. Obwohl ich mich auf meine Heimat freue, werde ich doch Vieles vermissen: Die Menschen haben in Deutschland mehr Respekt, sie sind zuverlässig und nett. Es ist hier viel sicherer und nicht so korrupt. Man kann abends alleine durch die Stadt gehen. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen und möchte den Kontakt zu meinen Freunden nicht verlieren. Ich möchte das Deutsch nicht verlernen.
Wenn ich zum Abschluss noch einen Tipp geben darf: Guckt Euch in Aachen das Studentenorchester und das Symphonieprojekt der Musikhochschule an. Die sind richtig gut. Und ich hoffe, dass die Musikhochschule in Aachen noch stärker wahrgenommen wird. Sie hat es wirklich verdient.
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