Aachener Rathaus Das Haus für alle
Ein Haus für alle! Ganz gleich, ob es sich um „Eingeborene“, also „Öcher”, oder um „Zugereiste“ handelt, die rund um die Hochschulen Firmen- und Wohnsitz genommen haben: Das Aachener Rathaus steht allen offen, ein Ort zum Feiern und sich Treffen, weder ein historisches Museum noch ein geschichtsloser Zweckbau.
Räume des Rathauses
- Ratssaal: Tagungsort des Rates mit Gemälden aus dem 17. Jh., nebenan Büro des Oberbürgermeisters
- Weißer Saal: Schmuckkästchen des Rathauses mit weiß/ goldenem Stuck aus dem 18. Jh., hier finden Hochzeiten und Empfänge statt
- Werkmeistergericht: ehem. Versammlungsraum der Tuchmacherzunft, Tapetentür zur Werkmeisterküche mit Ausstellung zum 2. Weltkrieg
- Friedenssaal: in rot-goldenem Barock verziert, die vier Türen wurden zum Friedensschluss 1748 eingebaut, damit alle Parteien zeitgleich eintreten konnten
- Krönungssaal: im Mittelalter schönster Festsaal Deutschlands, Aufbewahrungsort der Statue Karls des Großen von 1620 und der Reichskleinodien
Vielmehr ein lebendiger europäischer Erinnerungsort, an dem man mit dem Aixplorer, einem persönlichen elektronischen Guide, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft hautnah erleben kann.
Und ein Ort aktueller kommunaler Politik: Der Rat der Stadt tagt hier, und der Oberbürgermeister sitzt in Aachens „schönstem Arbeitszimmer“ mit Blick auf den Dom. Und das seit dem 14. Jahrhundert.
Denn damals setzten die Aachener dieses Haus als sichtbares Zeichen ihrer neuen bürgerlichen Freiheit auf die Grundmauern der Kaiserpfalz Karls des Großen. Aber weil es, ganz unbürgerlich, immer noch die deutschen Könige gab, die seit dem 9. Jahrhundert im Aachener Dom gekrönt wurden und anschließend im Rathaus Festmähler zelebrierten – neudeutsch würde man sagen, eine „After-Show-Party“ feierten – gehörte zum Rathaus schon damals der Krönungsfestsaal. Gefeiert wird dort, unter den berühmten Rethelfresken und neben den Kopien der Krönungsinsignien, gut bürgerlich und hochpolitisch, auch heute: Europaweit mit der Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen am Himmelfahrtstag oder mehr intern mit einem Benefizdinner am 23. Oktober, dem Krönungstag Karls V., zur Erinnerung an 32 deutsche Könige, die es sich und dem Volk hier gut gehen ließen.
Rathaus für die Bürger
Früher ein Bündnis fürs Leben, heute eher eins mit beschränkter Haftung: Denn heiraten kann man im Aachener Rathaus auch, im barocken Weißen Saal, in den die Stadt sonst zu festlichen Empfängen einlädt. Und so kann der Aachen-Tourist dort nichts ahnend auf eine Braut „ganz in Weiß“ stoßen. Wenn das kein Glück bringt!
Ein Tipp für alle, die das Leben nicht ganz so ernst nehmen: Während der „tollen Tage“ , in Aachen wie im ganzen Rheinland Karneval genannt, regieren im Rathaus weder der Oberbürgermeister noch die Damen und Herren des Kommunalparlaments. Sondern die Narren. Das sind lustige Gestalten, die nichts ernst nehmen, die man aber ernst nehmen muss. Weil sie Bürgerinnen und Bürger im besten Aachener Sinn sind.
Deshalb haben sie ihr Rathaus immer wieder aufgebaut. Nach dem großen Stadtbrand von 1656. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als 80 Prozent der Stadt, sogar Teile des Doms, in Trümmern lagen. Aachen, eine ewige Baustelle, seit den Zeiten von Kelten, Römern, Franken, Ottonen, Franzosen, Preußen, und wie sie alle hießen.
Der Obrigkeit nur soweit untertan, wie es nötig ist, damit das Staatswesen funktioniert. Und so frei, sich ein Rathaus zu bauen, das ein Haus für alle ist.
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