Interview mit dem RWTH-Prorektor für Wirtschaft Prof. Günther Schuh Hier war ich sofort zuhause

Aachen hat die ideale Größe für eine Stadt, in der man sich wirklich zuhause fühlt.

Professor Schuh

  • Prof. Dr- Ing. Dipl.- Wirt.- Ing. Günther Schuh, geb. in Köln
  • Prorektor für Wirtschaft und Industrie an der RWTH Aachen
  • Direktor von WZL und Fraunhofer IPT

In großen Metropolen bleibt man da vergleichsweise anonym, privat. Zum Teil mit seinem Tun für die Gesellschaft, für die Allgemeinheit, aber auch mit seinem beruflichen Tun. Das ist jedenfalls für einen Hochschullehrer so.

Wir haben hier als relativ große Hochschule in einer mittelgroßen Stadt ein gewisses Gesicht, auch ein gewisses Gewicht. Wenn man hier was Gutes tut in der Stadt, mit der Stadt, dann fällt das auch auf. Das macht Freude.

Leute, die sich einbringen wollen, sind so herzlich willkommen in den verschiedenen Kreisen und Identitäten, dass man sich regelrecht herausgefordert fühlt, zu überlegen, was kann ich beitragen, wo kann ich Synergien zwischen meinem beruflichen Tun und meinen gesellschaftlichen Verzahnungen hinbekommen.

Darüber hinaus ist das Freizeit-Potential in Aachen sehr hoch und die Verschwendung von Zeit, die man beispielsweise dem Großstadtflair opfert, ist hier vollkommen reduziert. Man muss das mal zum Beispiel mit unseren Münchener Kollegen vergleichen. Da gibt es keinen, der nicht mindestens eine halbe Stunde, wenn nicht bis zu einer Stunde zur Arbeit fährt. Die TU München ist 35 km außerhalb der Stadt in Garching, und das hat eigentlich mit München fast gar nichts zu tun.

Wir hier sind aber in jeder Hinsicht in die Stadt integriert. Man fühlt sich übrigens eben deshalb auch als Wissenschaftler regelrecht liebevoll aufgenommen. Man ist sofort mit Meinungsmachern, mit interessanten Persönlichkeiten unterschiedlicher Disziplinen in Kontakt. Hinzu kommt natürlich die rheinische Frohnatur, die alles ganz unkompliziert macht. So empfinde ich das wenigstens.

So etwas gibt es eben fußläufig

Und das Freizeitangebot, also das was man drum herum machen kann, genieße ich. Damit meine ich nicht nur die Hobby-Fliegerei auf Merzbrück.

Man muss ja nur den Aachener Stadtwald nehmen. Oder das, was wir mit unseren Kindern beim Schlittschuhlaufen am Weiher in der Nähe des Waldstadions erlebt haben. Das war grandios. Der See war voller Leute, Schlittschuh fahrend, Hockey spielend usw. Meine Frau und ich mit den kleinen Kindern: eine Szene wie aus dem Bilderbuch. So etwas gibt es in Aachen eben fußläufig.

Meine Aachen Highlights

  • Flugplatz Merzbrück
  • Carolus Thermen
  • Die Altstadt
  • Der Aachener Stadtwald

Ich brauche für ein Innenstadt-Feeling von zuhause aus sieben Minuten. Ich brauche neun Minuten zur Hochschule, und ich brauche fünf Minuten, um in einem absoluten Freizeit-Feeling zu sein.

Das ist jetzt vielleicht etwas Schleichwerbung, aber wenn es nach meinen Kindern geht, die wahnsinnig gern durch die Innenstadt gehen, heißt das erste Ziel: die Mayersche Buchhandlung. Da muss mein vierjähriger Sohn auf das Karussell und zusammen mit meiner siebenjährigen Tochter müssen beide in die Kinderabteilung. Wir verbringen da eine Stunde.

Meine Frau und ich sind Carolus-Thermen-Fans. Das ist ein anderer Lieblingsort, an dem wir auch relativ häufig sind.

Wir treffen immer irgendwen

Wenn beide berufstätig sind, und man kleine Kinder hat, muss man Zeiten haben, wo man auch mal reden kann. Wir gehen nicht jeden, aber fast jeden Freitag immer in die Innenstadt. Wir gehen ins Theater, ins Kino, ins Restaurant, in die Carolus Thermen usw. Das Schöne ist mittlerweile, wir treffen auch immer irgendwen. Das ist etwas Wunderbares. Das gibt’s vielleicht in München auch, wenn man seine In-Places hat, aber hier ist es wirklich familiär. Meine Frau ist Aachenerin, und da ich unseren früheren Wohnort St. Gallen so sehr geliebt habe, hatte sie Sorgen, ob ich mich in Aachen auch genauso wohl fühlen werde. Aber es ist mir ganz leicht gefallen, Aachen als meine Heimat zu empfinden. Und dieses Heimatgefühl kann man auch vielen anderen vermitteln. Ich glaube, dass wir da viel zu bieten haben.

Meine Tipps für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

  • Seien Sie offen für Kontakte in die Politik und Gesellschaft
  • Nutzen Sie die Fußläufigkeit der Stadt für Erkundungen
  • Nehmen Sie teil am städtischen Leben und den vielen Kulturangeboten
  • Nutzen Sie die zahlreichen Freizeitangebote

Lust auf mehr