Interview mit dem Firmengründer Dr. Oliver Grün Durch Kontakte die Welt verbessern

Manchmal wird die Lebensplanung von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Ursprünglich bin ich zum Studium nach Aachen gekommen, um danach das Ingenieurbüro meines Vaters zu übernehmen.

Dr. Oliver Grün

  • Geb. 1969 in Mülheim/ Ruhr
  • Diplom-Bauingenieur (RWTH)
  • Doktor der Philosophie in Wirtschaftswissenschaften (Comenius)
  • Gründer, Alleinaktionär und Vorstand der GRÜN Software AG
  • Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes IT-Mittelstand
  • Verheiratet, 3 Kinder

Schnell machte ich mich jedoch mit meinem Hobby Programmierung selbstständig. Wenn man unter der Dusche nur über Software nachdenkt und nicht über Wärmeschutz, ist klar, welchem Thema die Leidenschaft gilt. Schweren Herzens entschied ich mich gegen den sicheren Einstieg in den väterlichen Betrieb und baute stattdessen mein Unternehmen aus. Ohne Eigenkapital. Bei der Frage „Büro“ oder „Wohnung“ fiel die Entscheidung zu Gunsten des Büros, in dem ich dann auch übernachten musste.

Der Turn- und Rasensportverein hat das Fundament gelegt

Die Initialzündung für die GRÜN Software AG war dann fast banal: der Turn- und Rasensportverein Remscheid Süd hatte bei mir einen Computer gekauft und benötigte eine Software zur Mitgliederverwaltung. Da diese damals 1.000 DM gekostet hätte, war ich mir sicher: „das kann ich preiswerter anbieten“. Nach wochenlangen Tüfteleien stand schließlich die erste Version. Das Programm wurde schnell zum Selbstläufer. Zu Abschluss des Studiums hatte ich bereits 20 Mitarbeiter. Zum Glück ist das Unternehmen organisch gewachsen, so dass ich mir alle Kenntnisse (Buchhaltung, Marketing, Vertrieb etc.) neben dem Studium ergänzend aneignen konnte. Von diesem Einblick in alle Bereiche profitiere ich bis heute.

Erfolgsbausteine für alle Kundenwünsche

Unternehmensgruppe GRÜN

  • Standorte: Hauptsitz in Aachen, Ankerpunkte in Bratislava, Wien, Berlin
  • Mitarbeiter: 70
  • Leistungen: Branchensoftware, Outsourcing, Agenturleistungen
  • Marktführer im Bereich Fundraising
  • Kunden: u. a. Misereor, Menschen für Menschen, Johanniter-Unfallhilfe, Deutsches Rotes Kreuz, Eintracht Frankfurt, dbb Deutscher Beamtenbund

Nun 20 Jahre später und um 70 Angestellte sowie drei Unternehmenssparten reicher ist die GRÜN Gruppe für mich immer noch ein Technologiebetrieb. Ihr Fundament ist und bleibt die Software. In unserer globalisierten Welt müssen Programme immer schneller und intelligenter werden. Ergebnisorientiert machen wir das Problem der Kunden zu unserem Problem, dabei versprechen wir z. B.: „Wenn Du unsere Software einführst, erhöht sich messbar die Mitgliederbindung oder es werden Ziele für Neumitgliedschaften vereinbart.“ Unser Aufgabenverständnis führt bis in die Beratung bei Organisationsprozessen. Das hat nicht nur für den Kunden unschätzbare Vorteile, sondern auch für uns, weil wir als Anwender das direkte Feedback erhalten und die Qualität kontinuierlich verbessern können. Da unsere Software internet-basiert ist, kam schnell auch der Wunsch nach Agenturleistungen auf. So bieten wir nun in unserem Bausteinsystem alles, was der Kunde nachfragt – von der Buchhaltung bis zu Mediendesign und Marketingkonzeption. In Deutschland wird von drei Milliarden Euro Spendensumme eine Milliarde über unsere Systeme verbucht.

Treppen steigen für Äthiopien

Nicht nur weil wir viele karitative Einrichtungen als Kunden haben, ist mir der soziale Gedanke sehr wichtig: Wir sind als Unternehmen Teil der Gesellschaft. Als solcher sollten wir das Umfeld, in dem wir leben mitgestalten und der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Ich engagiere mich persönlich bei der gut.org, das ist eine gemeinnützige AG, die das Spendenportal „betterplace.org“ betreut. Dort werden 100% der Spendengelder garantiert weitergegeben, sogar die Gebühr der Kreditkartenzahlung ist gesponsort. Außerdem bin ich Mitglied des Lions Clubs Aachen Kaiserpfalz. Das Thema Corporate Social Responsibility ist im Mittelstand angekommen. Mitarbeiter in Unternehmen, die sich sozial engagieren, sind motivierter. Jedes Jahr veranstalten wir gemeinsam einen karitativen Event. In diesem Jahr haben wir z. B. mehr als 8.000 Euro für die Äthiopienhilfe gespendet und dieses mit einem sportlichen Treppenlauf der Mitarbeiter verbunden. Durch die Städtewette, die ich nach Aachen geholt habe, konnte allein mit der Spendensumme aus Aachen eine Schule für 1000 Kinder in Äthiopien finanziert werden. Mir persönlich gibt es einen Sinn, die Welt ein Stück besser zu machen. Sinn ist schließlich auch eine Form der Rendite, es muss nicht immer Geld sein. Es macht riesigen Spaß zu sehen, dass man durch die Kontakte, die man hat, Gutes tun kann. Wie leicht man Kontakte zur Aachener Gesellschaft findet, hängt wie in jeder Großstadt auch von der Position ab. Es dauert immer seine Zeit. Ich bin jetzt 20 Jahre hier aktiv, kenne viele Leute, und fühle mich sehr aufgenommen. Dafür bin ich dankbar.

In Aachen eine Heimat gefunden

Meine Kommilitonen hat es nach dem Studium oft aus Aachen weg in die Metropolen gezogen. Dies war für mich nicht nur aus Verantwortung den Beschäftigten gegenüber nie ein Thema. Ich finde es wegen der vielen Erinnerungen schön, in dem Ort, in dem man studiert hat, zu leben. Auch das Dreiländereck finde ich hoch spannend. Ich wohne jetzt mit meiner Familie in Hauset und wir genießen das total. Die belgische Küche ist köstlich. Auf dem Weg nach Hause habe ich fast das Gefühl in Urlaub zu fahren. Dennoch bin ich innerhalb von 13 Minuten in meinem Büro in der Innenstadt. Insgesamt ist in Aachen alles so wunderbar nah. In den Großstädten braucht man oft 30 Minuten allein zum Arbeitsplatz. Aachen ist nicht zu klein und nicht zu groß, sondern genau richtig. Man trifft Leute wieder, aber es erschöpft sich nicht. Aachen hat sich in den letzten 20 Jahren hervorragend entwickelt. Einige meiner ehemaligen Kommilitonen bereuen mittlerweile den Schritt in riesige Großstädte gegangen zu sein. Der RWTH Aachen Campus ist ein irres Projekt. Solche Aktivitäten braucht eine Großstadt, um mehr als nur eine Stadt unter vielen zu sein. Ich habe in Aachen meine Wahlheimat gefunden.

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