Karneval in Aachen Bazillus karnevalis
„Jeck“ kann man nicht übersetzen. Wenn jemand „jeck“ ist in Aachen, bedeutet das nicht, dass er seine fünf Sinne nicht mehr beisammen hätte oder im Kopf nicht ganz klar, also vulgo „verrückt“ sei.
Orden wider den tierischen Ernst
- Auszeichnung für Humor und Menschlichkeit im Amt
- jährlich vom Aachener Karnevalsverein verliehen
- erster Ordensritter 1950: Staatsanwalt James Arthur Dugdale
- Dugdale hatte einen Gefangenen zu Karneval aus der Haft entlassen, weil dies der höchste rheinische Festtag sei
- seit 1954 wird die Verleihung im TV übertragen
Im Gegenteil: Wenn der Aachener jeck ist, vollzieht er einen Akt höchster Rationalität: Er nimmt sich wissentlich eine Auszeit von der Normalität. Dieser tiefenpsychologisch vieldeutig erklärbare Prozess heißt Karneval.
Man muss dazu wissen: Der Vorgang ist infektiös, aber jahreszeitlich gebunden. Jedes Mal nach dem Jahreswechsel bricht in Aachen für etwa sechs Wochen der „Bazillus karnevalis“ aus und steckt fast alle an. Dagegen helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge, selbst Aspirin versagt. Einander sonst wildfremde Menschen liegen sich plötzlich singend in den Armen, ziehen in abenteuerlicher Maskerade durch die Stadt und lachen aus Nicht-Aachenern zunächst unverständlichen Gründen.
Den Aachener Karneval können auch Zugereiste lernen
Aber keine Angst: Karneval kann man lernen. Weil er nicht nur typisch rheinisch, sondern auch typisch deutsch ist, ist er in Aachen in mehr als 50 Vereinen organisiert, die an die 250 Sitzungen, Bälle und andere Feste veranstalten, bei denen auch der Zugereiste schon nach kurzer Zeit nicht mehr fremdelt.
Wenn es ihm sogar gelingt, eine der raren Eintrittskarten zur Sitzung „Wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins zu ergattern, ist er – und mit ihm Millionen Fernsehzuschauer – bei Aachens gesellschaftlichem Top-Ereignis dabei: Der Orden “Wider den tierischen Ernst“ ist Deutschlands renommierteste karnevalistische Auszeichnung und der einzige Karnevalsorden auf der Liste der europäischen Kulturpreise.
Aber eigentlich ist Karneval eher volksnah, auch wenn ein „Tollität“ genannter Prinz der oberste Repräsentant der willentlich Jecken ist. Entstanden ist er wahrscheinlich aus Protest gegen die Obrigkeit, woran heute noch die bunten Uniformen und der komische pseudomilitärische Drill zum Beispiel der Aachener Stadtsoldaten „Öcher Penn“ erinnern.
Ein Wort muss man sofort lernen: „Alaaf“! Es ist im Karneval der Ausdruck für praktisch alles. Was es heißt, ist umstritten. Die meisten Experten neigen der These zu, dass es vom französischen „à la vie“ her stamme.
Also denn: Auf das Leben! Oche Alaaf!
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